Nivolumab + Ipilimumab in der Erstlinientherapie des metastasierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC)

03.05.2021
Die frühe Nutzenbewertung von Nivolumab / Ipilimumab ist ein weiteres Verfahren zur Erstlinientherapie beim fortgeschrittenen nichtkleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC).

Nivolumab ist „in Kombination mit Ipilimumab und 2 Zyklen platinbasierter Chemotherapie für die Erstlinientherapie des metastasierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) bei Erwachsenen, deren Tumoren keine sensitivierende EGFR-Mutation oder ALK-Translokation aufweisen“ zugelassen. Der G-BA hat zwei Subgruppen zur Festlegung der zweckmäßigen Vergleichstherapie gebildet und das IQWiG mit dem Bericht beauftragt. Pharmazeutischer Unternehmer und IQWiG kommen zu unterschiedlichen Bewertungen. Einen Überblick über Vergleichstherapie und Bewertungsvorschläge gibt Tabelle 1.

Tabelle 1: Berechnung des Zusatznutzens durch pU und IQWiG

Nivolumab-Ipilimimab-NSCLC.PNG

Unsere Anmerkungen sind:

  • Die Subgruppenbildung und die Festlegung der ZVT entsprechen nicht mehr dem aktuellen Stand des Wissens. Wir haben uns dazu seit März 2020 im Rahmen der frühen Einbindung von Fachgesellschaften in die Beratungen des G-BA mehrfach geäußert.
    Standard in der Erstlinientherapie von Patienten mit metastasiertem, nichtkleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) ist die systemische Therapie. Bei Patienten ohne EGFR- oder ALK Mutationen ist eine der folgenden Optionen indiziert:
    • Kombination eines PD-1- oder PD-L1-Immuncheckpoint-Inhibitors mit platinhaltiger Chemotherapie
    • Monotherapie mit einem Immuncheckpoint-Inhibitor bei PD-L1 Expression mit einem TPS ≥50% oder eine Chemotherapie –Immuncheckpoint-Inhibitor-Kombination.
    • platinhaltige Chemotherapie bei Kontraindikationen gegen eine Immuntherapie.

Die Empfehlung zur gezielten Therapie bei Nachweis prädiktiver genetischer Aberrationen bezieht sich nicht nur auf EGFR und ALK. Auch bei Patienten mit aktivierenden Aberrationen von BRAF V600, ROS1, und NTRK kann eine gezielte Erstlinientherapie eingesetzt werden, jeweils in Abwägung gegenüber den anderen zugelassenen Therapieoptionen.

  • Die Checkmate-9LA Studie verglich die Kombination von Nivolumab und Ipilimumab plus zwei gleichzeitige Chemotherapiezyklen versus alleinige vier Zyklen Chemotherapie bei 719 therapienaiven Patienten mit metastasiertem oder rezidivierendem NSCLC. Nivolumab / Ipilimumab / Chemotherapie verlängerte sowohl das mediane Gesamtüberleben (HR 0,69) als auch das PFS (HR 0,70) und die Gesamtansprechrate (ORR) (38 vs. 25 %). Der klinische Vorteil zeigte sich unabhängig von der PD-L1-Expressionsrate oder der Tumorhistologie (Plattenepithelkarzinom oder nicht-Plattenepithelkarzinom).
  • In der Bewertung des klinischen Nutzens auf der ESMO-Magnitude of Clinical Benefit Scale v1.1 erhält Nivolumab / Ipilimumab in Kombination mit Bevacizumab/Carboplatin/Paclitaxel den Grad 4 (Skala 1 (niedrig) – 5 (hoch)).

Die Kombination von Nivolumab / Ipilimumab / Chemotherapie (2 Zyklen) ist eine weitere Option in der Erstlinientherapie des lokal fortgeschrittenen oder metastasierten NSCLC. Im indirekten Vergleich sind die bisher verfügbaren Daten zu den oben aufgeführten Standardtherapien vergleichbar. Mangels direkt vergleichender Studien sind vor allem Parameter wie Nebenwirkungen und Therapiedauer sowie ggf. das langfristige Überleben oder die langfristige krankheitsfreie Zeit bei einer Entscheidung relevant.

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