Presse: Moderne Krebsmedizin - Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile
Die Hämatologie und Medizinische Onkologie befindet sich weiterhin in einer Phase bedeutender wissenschaftlicher und klinischer Fortschritte. Das gilt beispielsweise für Innovationen in der molekularen Diagnostik, den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) sowie für innovative Immuntherapien. Gleichzeitig eröffnen neue Konzepte der Risikostratifizierung, Früherkennung und Frühintervention Perspektiven, Erkrankungen bereits in frühen Stadien gezielter zu erkennen und zu behandeln. Die Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie bietet eine Plattform, auf der aktuelle Entwicklungen vorgestellt, kritisch eingeordnet und im Hinblick auf ihren Nutzen für die Patientenversorgung diskutiert werden.
Moderne Krebsmedizin: Diagnostik auf höchstem Niveau
Univ.-Prof. Dr. med. Dominik Wolf, Kongresspräsident und Direktor der Universitätsklinik für Innere Medizin V (Hämatologie und Onkologie) der Medizinischen Universität Innsbruck: „Ein Fokus der Jahrestagung liegt auf innovativen molekularen Diagnostikverfahren, die uns einen immer genaueren Einblick in die genetischen und biologischen Eigenschaften von Blut- und Krebserkrankungen ermöglichen. Sie sind eine wichtige Grundlage für präzise Diagnostik, umfassende Risikobewertung und für die Entwicklung von individualisierten Behandlungsstrategien. Das ist ein hochdynamisches Forschungsfeld, dessen Fortschritte sich auch im wissenschaftlichen Programm unserer Jahrestagung widerspiegeln.“
Zu diesen Instrumenten zählen unter anderem Genmutationsanalysen, Next Generation Sequencing (NGS), Fusionsgen-Diagnostik, Genexpressionsanalysen, die Bestimmung zirkulierender Tumor-DNA im Blut („Liquid Biopsy“), hochsensitive Verfahren zum Nachweis minimaler Resterkrankungen (Minimal Residual Disease, MRD) sowie der Einsatz von Polygenen Risk Scores (PRS). Zudem erlaubt die Einzelzellauflösung moderner Techniken ein immer besseres Verständnis von Tumor-Ökosystemen, die nicht nur die bösartigen, sondern auch eigentlich gesunde Immun-, Bindegewebs- und Gefäßzellen umfassen.
Moderne Krebsmedizin: Prävention – viele Ressourcen zu heben
Prof. Dr. med. Claudia Baldus, Geschäftsführende Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) und Direktorin der Klinik für Innere Medizin II am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel: „Bei aller Faszination für neue diagnostische Möglichkeiten, für die wir sehr dankbar sind, dürfen wir einen entscheidenden Aspekt nicht aus dem Blick verlieren: Viele Krebserkrankungen könnten bereits heute verhindert oder in einem früheren Stadium erkannt werden. Prävention und Früherkennung zählen deshalb zu den wichtigsten Zukunftsaufgaben. Fortschritte in der Risikobewertung und molekularen Diagnostik eröffnen neue Chancen, Menschen mit erhöhtem Risiko früher zu identifizieren und gezielter zu begleiten.“
Die DGHO hatte die Bedeutung der Krebsprävention bereits in den Mittelpunkt ihrer diesjährigen Frühjahrstagung gestellt. Anlässlich der Nationalen Krebspräventionswoche im September 2026 veröffentlicht die Fachgesellschaft zudem den Band „Neue Wege der Prävention, Früherkennung und frühen systemischen Therapie“ in ihrer Gesundheitspolitischen Schriftenreihe.
Moderne Krebsmedizin: Chancen durch Schnittstellen
Prof. Dr. med. Maike de Wit, Kongresspräsidentin und Chefärztin der Klinik für Innere Medizin - Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin in Berlin an den Vivantes Kliniken in Neukölln und in Schöneberg: „Die Grenzen zwischen Prävention, Früherkennung, Diagnostik und Therapie werden zunehmend fließend. Neue diagnostische Verfahren ermöglichen eine immer präzisere Einschätzung individueller Risiken und schaffen die Grundlage für frühzeitige und personalisierte Behandlungsstrategien. Gleichzeitig leben dank des medizinischen Fortschritts immer mehr Menschen langfristig mit oder nach einer Krebserkrankung. Damit gewinnen auch Nachsorge, Lebensqualität und Survivorship weiter an Bedeutung.“
Ein Beispiel für diese Entwicklung bei soliden Tumoren ist das in Deutschland eingeführte Lungenkrebs-Screening für definierte Hochrisikogruppen. Auch in der Hämatologie rücken Krankheitsvorstufen wie die klonale Hämatopoese oder das schwelende Multiple Myelom (Smoldering Multiple Myeloma, SMM) zunehmend in den Fokus der Forschung. Untersucht wird, ob sich durch eine frühzeitige Intervention das Fortschreiten zu einer manifesten Erkrankung verzögern oder verhindern lässt. Die wachsende Komplexität der hierfür erforderlichen Diagnostik und Datenanalyse unterstreicht zugleich den zunehmenden Stellenwert digitaler Technologien und Verfahren der Künstlichen Intelligenz in der Hämatologie und Onkologie.
Moderne Krebsmedizin: Künstliche Intelligenz zum Patientenwohl einsetzen
Prim. Prof. Dr. med. Ewald Wöll, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (OeGHO) und Ärztlicher Direktor/Ärztlicher Leiter Innere Medizin des Krankenhauses St. Vinzenz in Zams: „In all den genannten Bereichen erleben wir derzeit einen rasanten Einzug der Künstlichen Intelligenz (KI), eines der dynamischsten Innovationsfelder der Medizin. In der Hämatologie und Onkologie kann sie uns unter anderem bei der Auswertung von bildgebenden Verfahren oder der Analyse komplexer molekularer Informationen und damit bei der klinischen Entscheidungsfindung unterstützen. Bei allem Potenzial der KI ist aber auch klar, was sie aus unserer Sicht nicht leisten kann, nicht leisten soll und auch nicht leisten darf: Die Entscheidung für ein bestimmtes Therapieregime oder die gemeinsame Entscheidungsfindung mit unseren Patientinnen und Patienten sowie deren An- und Zugehörigen. Das sind und bleiben Aufgaben, die menschliche Erfahrung, Empathie und Verantwortung erfordern – getragen von Ärztinnen und Ärzten, Pflegekräften, Therapeutinnen und Therapeuten in den nichtärztlichen Heilberufen sowie Psychologinnen und Psychologen.“
Moderne Krebsmedizin: Auf internationalen Austausch angewiesen
Prof. Dr. med. Dr. phil. Andreas Wicki, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie (SGMO) und Leitender Arzt sowie stellvertretender Direktor der Klinik für Medizinische Onkologie und Hämatologie am Universitätsspital Zürich: „Das Besondere und Wertvolle an unserem gemeinsamen Kongress ist unter anderem der internationale Austausch – ein für die Innovationskraft unseres Faches integraler Bestandteil. So freuen wir uns sehr auf die Plenarsitzung, in der Prof. Solange Peters (Schweiz) die rasante Evolution der personalisierten Lungenkarzinombehandlung und Prof. Iván José Ballesteros Martin (Spanien) die Vielfalt und Bedeutung von Granulozyten für Gesundheit und Krankheit darstellen werden.“
Ausführliche Informationen unter: https://www.jahrestagung-haematologie-onkologie.com/
Über die DGHO
Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V. (DGHO) besteht seit fast 90 Jahren und zählt aktuell mehr als 4.600 Mitglieder, die in der Erforschung und Behandlung hämatologischer und onkologischer Erkrankungen tätig sind. Mit ihrem Engagement in der Aus-, Fort- und Weiterbildung, der Erstellung der Onkopedia-Leitlinien sowie der Durchführung von Fachtagungen und Fortbildungsseminaren trägt die Fachgesellschaft maßgeblich zur Weiterentwicklung des Fachgebiets bei. Darüber hinaus setzt sie sich gesundheitspolitisch ein, beispielsweise im Rahmen von Gesetzgebungsverfahren und der frühen Nutzenbewertung auf nationaler wie auch auf europäischer Ebene. Auf diese Weise fördert die DGHO eine qualitativ hochwertige Versorgung von Patientinnen und Patienten, die sich konsequent am aktuellen Stand des medizinischen Wissens orientiert.
Über die OeGHO
Die Österreichische Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (OeGHO) hat sich zum Ziel gesetzt, die Betreuung von Patientinnen und Patienten österreichweit an den höchsten Standard heranzuführen. Die OeGHO zählt als Fachgesellschaft aktuell deutlich über 900 Mitglieder, von denen ein Großteil Fachärztinnen und Fachärzte für Innere Medizin mit Additivfach Hämatologie und Internistischer Onkologie sind. Neben der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten sowie Pflegekräften, der Festlegung von Standards für die Facharztausbildung und Ausbildungsstätten und der Erarbeitung von Leitlinien will die OeGHO die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen allen an der Krebstherapie Beteiligten und die Forschung auf dem Gebiet der Hämatologie und Onkologie aktiv fördern.
Über die SGMO
Die Schweizerische Gesellschaft für Medizinische Onkologie (SGMO) ist der Berufsverband und die Fachgesellschaft der Ärztinnen und Ärzte mit dem Facharzttitel Medizinische Onkologie. Die SGMO zählt aktuell 500 Mitglieder, hat gemeinnützigen Charakter und verfolgt keine wirtschaftlichen Ziele. Zu den Aufgaben der SGMO gehören insbesondere:
- Die Medizinische Onkologie in der Schweiz wissenschaftlich und praktisch zu fördern
- Die Weiter- und Fortbildung für Medizinische Onkologinnen und Onkologen zu regeln und zu gewährleisten
- Die beruflichen und wirtschaftlichen Interessen der Medizinischen Onkologinnen und Onkologen in der Schweiz zu wahren
- Die Vernetzung von Medizinischen Onkologinnen und Onkologen untereinander sowie mit anderen medizinischen Fachgebieten zu fördern
Über die SGH
Die Schweizerische Gesellschaft für Hämatologie (SGH) ist der Berufsverband und die Fachgesellschaft der Ärztinnen und Ärzte mit dem Facharzttitel Hämatologie. Die SGH zählt aktuell 384 Mitglieder, hat gemeinnützigen Charakter und verfolgt keine wirtschaftlichen Ziele. Zu den Aufgaben der SGH gehören insbesondere:
- Wahrung der Interessen der Hämatologinnen und Hämatologen in der Schweiz;
- Förderung der Hämatologie in der Schweiz;
- Regelung und Gewährleistung der Aus-, Weiter- und Fortbildung in Hämatologie in Zusammenarbeit mit anerkannten Weiterbildungsstätten;
- Förderung der Kollegialität unter den Mitgliedern
Pressemitteilung als PDF-Datei zum Downloaden:

