Vincenz-Czerny-Preis 2026 an Dr. med. Dr. rer. nat. Mirco Julian Friedrich, Heidelberg
"Transient hepatic reconstitution of trophic factors enhances aged immunity“
Zusammenfassung der Arbeit
Das Alter ist der größte Risikofaktor für Krebs; und der Grund, warum Immuntherapien gerade bei Älteren am schlechtesten wirken. Checkpoint-Inhibitoren, bispezifische T-Zell-Engager und CAR-T-Zellen verstärken vorhandene T-Zell-Immunität; sie erzeugen sie nicht de novo.
Die Vorarbeiten des Preisträgers folgen dieser Logik: Identifizierung tumorreaktiver T-Zell-Rezeptoren bei AML und multiplem Myelom, Aufklärung von Wirkweise und Resistenzmechanismen bispezifischer Antikörper sowie T-Zell-spezifische in vivo delivery und Reprogrammierung mittels mRNA-Lipid-Nanopartikeln. Alle setzen ein intaktes T-Zell-Kompartiment voraus, dessen Nachschub im Alter mit der Thymusinvolution versiegt.
In rezenten Arbeiten der Arbeitsgruppe Friedrich zeigten Einzelzell- und räumliche Transkriptomik über die murine Lebensspanne drei thymusepitheliale Signale, die altersabhängig verloren gehen: DLL1, FLT3-Ligand und IL-7. Statt das gealterte Organ zu reparieren, verlagerten die Forscher deren Produktion: mRNA-Lipid-Nanopartikel machen Hepatozyten vorübergehend zu ihrer Quelle. In gealterten Mäusen stellte dies die de novo Thymopoese und den naiven T-Zell-Pool wieder her, verjüngte die Impfantwort um rund 24 Lebenswochen und reaktivierte Antitumor-Immunität und Checkpoint-Ansprechen reversibel und ohne Autoimmunität.
Der Preisträger postuliert damit Immunalterung als ein adressierbares Signaldefizit. Eine first-in-human Studie in KrebspatientInnen wird aktuell gefördert durch das Deutsche Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) an mehreren deutschen Standorten vorbereitet.
Lebenslauf
Mirco Julian Friedrich ist Arzt und Wissenschaftler an der Schnittstelle von Onkologie und synthetischer Immunologie. Er studierte Medizin in Heidelberg und an der Harvard Medical School, promovierte zum Dr. med. und zum Dr. rer. nat. (beide summa cum laude) und erwarb an der London School of Hygiene and Tropical Medicine einen M.Sc. in klinischen Studien und Biostatistik. Von 2022 bis 2025 forschte er als Postdoktorand bei Feng Zhang am Broad Institute of MIT and Harvard an Genomeditierung von Immunzellen. Seit 2025 leitet er die Arbeitsgruppe „Hämatologie und Immune Engineering“ am Deutschen Krebsforschungszentrum und ist als Arzt an der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie des Universitätsklinikums Heidelberg tätig. Seine Gruppe entwickelt mRNA-basierte und genomeditierte Immuntherapien bis in die klinische Prüfung; er leitet die erste in Deutschland durchgeführte Studie mit genomeditierten CAR-T-Zellen. Für seine Arbeiten wurde er unter anderem in die Forbes-Liste 30 Under 30 aufgenommen und mit dem MIT McGovern Institute Technology Award, dem Kind-Philipp-Preis der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) sowie dem Promotionspreis der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) ausgezeichnet.
