Irene-Boll-Preis 2026 an Dr. med. Julia Felicitas Leni König, Heidelberg
„How do financial considerations influence medical decision-making? A qualitative-empirical study in German cancer medicine“ und „Financial influences and the primacy of patient welfare – an empirical and ethical analysis in German cancer medicine“
Zusammenfassung der Arbeit
Wie finanzielle Einflüsse die medizinische Entscheidungsfindung und das Patientenwohl in der Krebsmedizin beeinflussen ist unklar. In einer qualitativen empirischen Interviewstudie konnten deduktiv spezifische Entscheidungssituationen in der Krebsmedizin identifiziert werden, die von finanziellen Überlegungen beeinflusst werden. Eine induktive qualitative Inhaltsanalyse konnten finanziell inzentivierte Handlungen herausgearbeitet werden, die eine normative Dimension aufwiesen. In der ethischen Analyse konnte herausgearbeitet werden, dass die normative Dimension mit bereits bestehenden Definitionen aus dem normativen Kontext verknüpft ist. Die weitere ethische Analyse zeigte, dass ein Mangel an systemischer Transparenz darüber, ob Erstattungsstrategien normative Prioritäten umsetzen oder lediglich Kosten regulieren sollen, es schwierig machen, ihre Vereinbarkeit mit dem Vorrang des Patientenwohls zu beurteilen. Die Ergebnisse zeigen, dass finanzielle Einflüsse, wie sie in Erstattungsstrategien verankert sind, das Patientenwohl in Frage stellen können. Es bedarf größerer Transparenz und einer klareren Begründung der in den Erstattungssystemen verankerten Ziele, um festzustellen, wann solche Einflüsse ethisch akzeptabel sind und wie sie geregelt werden sollten.
Lebenslauf
Dr. med. Julia Felicitas Leni König hat in Marburg an der Lahn Humanmedizin studiert und dort promoviert. In Münster hat sie einen Master für Advanced Studies in Applied Ethics abgeschlossen. Sie ist Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und Innere Medizin und Hämatologie und medizinische Onkologie an der Klinik für medizinische Onkologie des Universitätsklinikums Heidelberg und hat zuvor an der Universitätsmedizin Mannheim und Göttingen gearbeitet. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin ist sie am Institut für Medizin- und Datenethik der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg. Ihr wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt bei Fragen der Verteilungsgerechtigkeit und die ethische Dimension von finanziellen Überlegungen im Gesundheitssystem. Sie erhielt 2025 das Andrew Markus Visiting Scholarship am ETHOX Centre in Oxford. Sie ist aktives Mitglied des Arbeitskreis Ethik und Medizin der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie und war von 2024 bis 2026 im Sprecherinnenteam des Arbeitskreis JungeDGHO.
