Artur-Pappenheim-Preis 2026 an Dr. med. David Cordas dos Santos, Boston (USA)

Der Artur-Pappenheim-Preis ist für eine wissenschaftliche Arbeit bestimmt, die sich mit klinischen, experimentellen oder theoretischen Fragen der Hämatologie befasst und ist mit 7.500 Euro dotiert.

BCMA-gerichtete T-Zell-Therapie als Strategie zur frühen therapeutischen Intervention beim Multiplen Myelom

 

Zusammenfassung der Arbeit

app26_david-cordas-dos-santos.pngDas Hochrisiko-Smoldering Multiple Myelom (HR-SMM) wurde traditionell aktiv überwacht und erst beim Auftreten myelomdefinierender Ereignisse behandelt. Frühere Interventionsstudien zeigten klinischen Nutzen, etablierten die frühe Therapie jedoch nicht als Standard; seit Juli 2025 ist Daratumumab für HR-SMM zugelassen.
In den Phase-II-Studien CAR-PRISM und ImmunoPRISM wurde erstmals mit Ciltacabtagene autoleucel bzw. Teclistamab untersucht, ob BCMA-gerichtete T-Zell-Therapien in diesem frühen Krankheitsstadium sicher und wirksam eingesetzt werden können. Beide Ansätze führten zu tiefen, überwiegend MRD-negativen Remissionen. Gleichzeitig zeigten sich unterschiedliche Grenzen der frühen Immunintervention: In CAR-PRISM war die ausgeprägte CAR-T-Zell-Expansion mit einem unerwartet hohen Risiko verzögerter neurologischer Nebenwirkungen verbunden. In ImmunoPRISM erreichte die große Mehrheit der Patienten eine MRD-negative Remission, während bei einzelnen Patienten trotz des therapienaiven Krankheitsstadiums eine primäre Resistenz bestand.
Die Ergebnisse zeigen das Potenzial einer frühen T-Zell-basierten Immunintervention und verdeutlichen zugleich die Bedeutung von Wirksamkeit, Toxizität und Patientenselektion im asymptomatischen Krankheitsstadium.

 

Lebenslauf

David Cordas dos Santos ist Arzt und Wissenschaftler mit Schwerpunkt auf T-zellbasierten Therapien sowie der räumlichen Biologie hämatologischer Erkrankungen. Nach dem Medizinstudium an der Universität Heidelberg war er als Weiterbildungsassistent für Hämatologie und Onkologie am LMU Klinikum München tätig. 2022 wechselte er an das Dana-Farber Cancer Institute in Boston, wo er heute als Instructor in Medicine tätig ist. Dort ist er an klinischen Studien zu T-zellbasierten Therapien bei Vorstufen des Multiplen Myeloms beteiligt und arbeitet in internationalen Kollaborationen an klinischen Projekten, beispielsweise zur Risikostratifizierung vor CAR-T-Zelltherapie. Translational entwickelt er ein Spatial-Omics-Forschungsprogramm zur Untersuchung der räumlichen Organisation des Knochenmarks, ihrer Bedeutung für das Ansprechen auf T-zellbasierte Therapien und ihrer Veränderungen bei der Progression von hämatologischen Vorläuferstadien zu manifesten Erkrankungen.