ASCO 2021 - Wichtig zu wissen

10.06.2021
Von der „Last Line“ zur adjuvanten Therapie

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Aufgrund der SARS-CoV-2-Pandemie fand auch der diesjährige Kongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) virtuell und nicht in Chicago statt. Inzwischen haben sich (fast) alle an das neue Format gewöhnt: Präsentationen sind professionell, Diskussionen sehr lebhaft, technische Pannen selten.

Bei den Standard-verändernden Daten ragten in diesem Jahr vor allem die Studien zum Einsatz der Immuncheckpoint-Inhibitoren aber auch gezielter Arzneimittel in der adjuvanten Therapie heraus: Mammakarzinom, nichtkleinzelliges Lungenkarzinom, Nierenzellkarzinom und Urothelkarzinom. Die initial vor allem in sehr fortgeschrittenen Krankheitsstadien eingesetzten Arzneimittel sind jetzt in der Verhinderung von Krankheitsrezidiven angekommen. Vorteil für die Onkolog*innen ist die bereits bestehende Vertrautheit mit dem Management von Nebenwirkungen, herausfordernd ist die Identifikation der Patient*innen mit einem positiven Nutzen-Schaden-Verhältnis.

Im Folgenden sind Beiträge zusammengefasst und kommentiert, die den Standard von Diagnostik und Therapie in den nächsten Jahren verändern können.

Gleichzeitig bedanke ich mich bei den vielen Kolleg*innen für die wertvollen Hinweise und ihre Bewertung der präsentierten Beiträge.

Bernhard Wörmann



Chronische Lymphatische Leukämie
Bei rezidivierter/refraktärer CLL haben Ibrutinib und Acalabrutinib ähnliche Wirksamkeit, Acalabrutinib ist besser verträglich.

Kolorektales Karzinom
In der Erstlinientherapie des metastasierten kolorektalen Karzinom (MSI-H/dMMR) führt Pembrolizumab gegenüber Chemotherapie zu einer signifikanten Verlängerung des progressionsfreien Überlebens.

Lungenkarzinom (NSCLC)
Beim NSCLC der Stadien IB-IIIA führt die adjuvante Therapie mit Atezolizumab zur Steigerung der krankheitsfreien Überlebensrate nach 3 Jahren.

Lungenkarzinom (NSCLC)
Bei Nachweis einer KRAS G12C Mutation führt Sotorasib bei etwa einem Drittel der Patient*innen zu nachhaltigen Remissionen.

Mammakarzinom
Bei Patient*innen mit gBRCA1/2-Mutationen verbessert Olaparib in der adjuvanten Therapie die krankheitsfreie Überlebensrate nach 3 Jahren.

Mammakarzinom
Patient*innen mit einem frühen Mammakarzinom und einem Ultralow-Risiko-Score haben eine sehr gute Prognose mit einer krankheitsspezifischen Überlebensrate nach 10 Jahren von 99%.

Magenkarzinom
Die Kombination von Nivolumab mit Chemotherapie führt zur Verlängerung der Überlebenszeit in der Erstlinientherapie des metastasierten HER2 negativen Adenokarzinoms.

Nasopharynxkarzinom
Die Kombination des Anti-PD-1-Antikörpers Toripalimab mit Chemotherapie verlängert die Überlebenszeit beim metastasierten/rezidivierten Nasopharynxkarzinom.

Nierenzellkarzinom
Beim klarzelligen Nierenzellkarzinom mit intermediärem oder hohem Rezidivrisiko verbessert Pembrolizumab die krankheitsfreie und die Gesamtüberlebensrate nach 2 Jahren.

Ösophaguskarzinom
Sowohl Nivolumab + Chemotherapie als auch Nivolumab + Ipilimumab sind wirksamer als Chemotherapie beim fortgeschrittenen, PD-L1 positiven Plattenepithelkarzinom.

Prostatakarzinom
Bei Patienten mit metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakarzinom nach antihormoneller und Taxan-haltiger Vortherapie führt 177Lu-PSMA-617 zur Verlängerung der Überlebenszeit.

Urothelkarzinom
Die adjuvante Immuntherapie mit Nivolumab verbessert in den lokal fortgeschrittenen Stadien II-IIIA die krankheitsfreie Überlebensrate nach 1 Jahr.

Zervixkarzinom
Die adjuvante Chemotherapie führt nicht zu einer signifikanten Verbesserung der Überlebensraten.


Aufzeichnung Webinar vom Freitag, 11.06.2021, 14.00 Uhr