Zukunft der Onkologie: Forschungsklima verbessern, internationale Zusammenarbeit stärken

20. Oktober 2012
Krebserkrankungen nehmen in allen europäischen Ländern zu. Derzeit erkranken jährlich etwa 3,2 Millionen Europäer an Krebs. Anlässlich ihrer Jahrestagung haben die Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Onkologie nun eine gemeinsame Stellungnahme zur Situation der onkologischen Versorgung vorgestellt: Darin fordern sie eine Harmonisierung der Aus- und Weiterbildung des medizinischen Nachwuchses in Europa, die Vermeidung von Versorgungsengpässen bei onkologischen Arzneimitteln sowie verbesserte Rahmenbedingungen für die unabhängige klinische Forschung, um auch künftig eine gute Versorgung von Patienten mit Krebserkrankungen zu gewährleisten.


Die Rahmenbedingungen für die Onkologie werden heute auf europäischer Ebene geschaffen, wie beispielsweise bei der Durchführung klinischer Studien oder der Zulassung neuer Krebsmedikamente. „Auch für die Weiterbildung von Hämatologen und Onkologen brauchen wir einen einheitlichen Wissensstand in Europa und die Anerkennung von Weiterbildungen in anderen europäischen Ländern”, mahnt Prof. Gerhard Ehninger, Geschaftsführender Vorsitzender der DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie e.V. Um die Ausbildungsinhalte stärker zu harmonisieren und zu standardisieren, sind die deutsche und die österreichische Fachgesellschaft eine Kooperation mit der European Society for Medical Oncology (ESMO) eingegangen. Bis Ende Oktober überarbeitet eine DGHO-Weiterbildungskommission die deutsche Weiterbildungsordnung auf Grundlage der Curricula von ESMO und EHA. Die österreichische Fachgesellschaft OeGHO hat diesen Prozess bereits beendet. „Damit ermöglichen wir eine bessere Vergleichbarkeit der Qualifikationen und vereinfachen die berufliche Mobilität in Europa”, erklärt Ehninger. „Gleichzeitig stärken wir die Medizinische Onkologie in Deutschland und in Österreich und stellen sicher, dass die wachsende Zahl an Krebspatienten auch in Zukunft problemlos Zugang zu Medizinischen Onkologen erhält”, ergänzt Prof. Günther Gastl, Präsident der OeGHO.

Vermeidung von Versorgungsengpässen bei Krebsmedikamenten
Die Fachgesellschaften in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind besorgt wegen der Zunahme von Versorgungsengpässen mit essenziellen Medikamenten vor allem bei seltenen Krebserkrankungen. In Deutschland sind 2012 bereits in sechs Fällen Lieferschwierigkeiten bei Wirkstoffen für Zytostatika entstanden. Auch in der Schweiz und den USA hat es seit geraumer Zeit immer wieder derartige Engpässe gegeben. „Die Sicherstellung der Versorgung mit lebensnotwendigen Medikamenten muss dringend gewährleistet werden”, fordert Dr. Jürg Nadig, Vorstand der Schweizer Fachgesellschaft SGMO, und bringt die Idee ein, den Preis für Generika anzuheben, verbunden mit der Auflage für pharmazeutische Hersteller, die Arzneimittelversorgung aufrecht zu halten, zum Beispiel durch die Finanzierung von Zwischenlagern. Zudem verurteilen die drei Fachgesellschaften die Marktrücknahmen wirksamer Krebsmedikamente aus kommerziellen Gründen. Die Fachgesellschaften sehen die pharmazeutischen Hersteller in einer ethischen Verpflichtung gegenüber den Krebspatienten und fordern sie auf, ihre Versorgungspflicht und Versorgungsverantwortung ernst zu nehmen. Zur Vermeidung von Lieferengpässen könnte nach dem Vorbild der USA eine Behörde beauftragt und mit regulativen sowie sanktionierenden Kompetenzen ausgestattet werden.

Rahmenbedingungen für nicht-kommerzielle klinische Studien verbessern
24 Prozent der klinischen Prüfungen, die in der EU beantragt werden, sind multinational ausgelegt. Gerade bei seltenen Erkrankungen sind grenzüberschreitende Studien notwendig, um aussagekräftige Patientenzahlen zu erhalten. Die derzeit gültige EU-Richtlinie über Klinische Arzneimittelprüfungen (RL 2011/20/EG) schafft in Deutschland hohe bürokratische und finanzielle Hürden für nicht-kommerzielle klinische Studien, so dass die Anzahl der Forschungsanträge zwischen 2007 und 2011 um 25 Prozent zurückgegangen ist. „Dabei sind unabhängige klinische Forschungsprojekte das Rückgrat der patientenbezogenen Krebsforschung und führen zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Therapieoptionen”, so Ehninger. Nicht-kommerzielle klinische Forschung kann nach Ansicht der Fachgesellschaften nur unter Rahmenbedingungen realisiert werden, die frei von forschungshemmender Bürokratie und unzweckmäßigen Versicherungsauflagen sind. Die Fachgesellschaften unterstützen das Konzept der geplanten neuen EU Direktive, die Beurteilung von Studien durch Ethikkommissionen auf europäischer und auf nationaler Ebene zu zentralisieren.

Jahrestagung 2012
Noch bis zum 23. Oktober treffen sich in der Landesmesse Stuttgart ca. 4.500 Experten, um über die aktuellen Erkenntnisse in Diagnose und Therapie von Blut- und Krebserkrankungen zu diskutieren. Die Jahrestagung 2012 bietet mit über 600 wissenschaftlichen Beiträgen von der molekularen Biologie bis hin zur Palliativmedizin ein wissenschaftlich hoch attraktives Programm.

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Stellungnahme JT 2012.pdf

Digitale Pressemappe Jahrestagung 2012.zip

Bilder Pressekonferenz.zip

 

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