Kostenübernahme der allogenen Stammzelltransplantation bei Älteren

22.06.2013

Das Sozialgericht Hamburg hat am 17. Januar 2013 entschieden, dass die Kosten einer allogenen Stammzelltransplantation bei einer 72jährigen Patientin übernommen werden müssen. In der Klage ging es um eine Patientin mit sekundärer akuter Leukämie nach Myelodysplastischem Syndrom. Wegen des Alters hatte die betroffene Krankenkasse die Kostenübernahme abgelehnt.

Das Gericht hat festgestellt, dass die Behandlung medizinisch erforderlich war und dem allgemeinen Stand der medizinischen Erkenntnis entsprach. Das Gericht hat sich dem Gutachter angeschlossen, nachdem nicht das absolute Alter, sondern die mit dem Alter einhergehenden Erkrankungen entscheidend für die Indikationsstellung ist. Die betroffene Patientin befand sich in guter Verfassung. Gegen das Urteil wurde keine Berufung eingelegt. Es ist demnach rechtskräftig. 

Das Urteil bestätigt die seit vielen Jahren seitens der DGHO erhobene Forderung, dass das chronologische Alter kein ausreichend geeigneter Parameter für eine Therapieindikation ist. Belastende Komorbidität kann bei jungen Patienten ein Ausschlusskriterium, fehlende Komorbidität bei Älteren ein Therapiekriterium sein. Entscheidend ist die sorgfältige und objektivierte Erfassung funktioneller Parameter, z. B. mit Instrumenten des Geriatrischen Assessment. 

Urteil Sozialgericht S35KR118-10