1. Interdisziplinäre Frauenkonferenz der DGHO

25.11.2013
Am 22. November 2013 fand in Berlin die 1. Interdisziplinäre Frauenkonferenz der DGHO statt. Mehr als 40 Teilnehmerinnen diskutierten über die spezifischen Herausforderungen, mit denen sich junge Ärztinnen in ihrem Berufsleben konfrontiert sehen.


Prof. Diana Lüftner.JPGDie inhaltliche Rahmensetzung lieferte Prof. Diana Lüftner, Vorstandsvorsitzende der DGHO. Unabhängig von allen positiven Entwicklungen der letzten Jahre, so Prof. Lüftner, gebe es in der Medizin immer noch deutliche Ungleichheiten bspw. in den Karriererealitäten von Männern und Frauen. Für die Hämatologie und Medizinische Onkologie brachte die DGHO-Vorsitzende dies auf den Punkt. „In Deutschland gibt es in unserem Fach derzeitig keine einzige Ordinaria. Das spiegelt die Realität der fachlichen Qualifikation in keiner Weise wider.“

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Insgesamt machten die persönlichen Erfahrungsberichte der Teilnehmerinnen die Vielzahl der individuellen Herausforderungen in den persönlichen Arbeits- und Lebenswirklichkeiten deutlich. Darüber hinaus wurde der Bedarf nach Plattformen zum Erfahrungsaustausch klar. Eine häufige Aussage der Teilnehmerinnen. „Diese Konferenz kommt genau zum richtigen Zeitpunkt.“

Irmtraut Gürkan.JPGDass dieser Zeitpunkt genau richtig war, zeigte auch der Vortrag von Irmtraut Gürkan, Kaufmännische Direktorin und stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Universitätsklinikums Heidelberg. Bei Assistenzärztinnen und Fachärztinnen, so Gürkan, zeige sich noch eine Geschlechterverteilung zugunsten von Frauen. Bei den Oberarztstellen hingegen drehe sich die Verteilung mit 75 Prozent dann zugunsten von Männern. Aus diesem Grund sei, um Ärztinnen in diesen Positionen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen, bspw. das Schaffen von individuellen Arbeitszeitmodellen oder die Implementierung von Möglichkeiten zur Kinderbetreuung sinnvoll und notwendig. Und grundsätzlich, so Gürkan, müssten sich junge Ärztinnen „einfach etwas zutrauen“ und sich gegen „subtile Nadelstiche und den gläsernen Deckel“ wehren – bspw. in Zusammenhang mit an sie gerichteten Fragen, ob eine Tätigkeit als Ärztin mit Kindern denn überhaupt möglich sei. 

In drei Workshops diskutierten die Teilnehmerinnen unter Leitung von Prof. Dr. Anja Lüthy, Professorin am Fachbereich Wirtschaft der FH Brandenburg, Dr. Ulrike Ley, Coach, Trainerin und Buchautorin, und Lena Lessing, Schauspielcoach, zu den Themen „Wie können Frauen erfolgreich führen?“, „Karriereplanung in Wissenschaft, Klinik und Lehre“ und „Work-Family-Balance“. Im letztgenannten Seminar ging es ganz konkret um die Frage, welche Rollen neben dem Beruf bestehen, und wie alle Rollen mit einer ärztlichen Tätigkeit vereint werden können. In diesem Zusammenhang machte Prof. Lüftner deutlich, dass es seitens der Arbeitgeber und im Rahmen von Strukturen in Klinken noch einen großen Nachholbedarf gebe. „Wir müssen bspw. jungen Ärztinnen, die ein Kind bekommen haben, bessere Wiedereinstiegsmöglichkeiten bieten und sie bei ihrer beruflichen Karriere aktiv fördern“, so die DGHO-Vorsitzende.

Im Anschluss an die Workshops stellten Prof. Renate Arnold und Dr. Anne Flörcken von der Charité das Mentorinnen-Netzwerk vor und suchten gemeinsam mit dem Plenum nach Möglichkeiten der Verbreiterung des Teilnehmerinnenkreises. Geplant sind eine Sitzung im Rahmen der DGHO-Jahrestagung sowie ein Treffen während des Deutschen Krebskongresses.

Das Feedback der Teilnehmerinnen zum Schluss des 1. Interdisziplinären Frauenkonferenz der Fachgesellschaft: „fantastisches Auftakttreffen“, „lange überfällig“, „sehr bereichernd“, „unbedingt weitermachen“, „hören sie nicht auf“.

Um sich für das Mentorinnen-Netzwerk zu registrieren, wird eine E-Mail an frauen@dgho.de erbeten

 

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Fotos: Anna Weise