Frühjahrstagung 2012: Integrative Onkologie und berufspolitische Themen

20.03.2012

Am Freitag, den 16. März ist die DGHO Frühjahrstagung mit einer Bestandsaufnahme des Bereichs Medizinische Onkologie zu Ende gegangen.

In den letzten Jahren hat sich für die Frühjahrstagung eine klare Struktur herausgebildet. Der erste Tag widmet sich einem zentralen Thema mit 10 – 12 Vorträgen, der zweite Tag ist berufspolitischen Themen vorbehalten. Dazu kommen Sitzungen der Arbeitskreise sowie von Vorstand und Beirat.

Zentrales Thema am ersten Tag der Frühjahrstagung 2012 war die Integrative Onkologie. 50 – 90 % aller Krebspatienten nutzen Formen von Krebsbehandlung neben der vom Onkologen angebotenen und durchgeführten Therapie. Der inhaltliche Ansatz zur Integration aller Betreuungsansätze des onkologischen Patienten (Standardtherapie auf der Basis Evidenz-basierter Medizin, komplementäre Medizin, Mind-Body-Verfahren, Medizin anderer Kulturkreise) ist mancherorts zu einem Marketing-Instrument für die sog. alternative Medizin verkommen. Auf der Frühjahrstagung war es gelungen, meinungsbildende Experten aus den verschiedensten Bereichen von den Grundlagen über Modellprojekte,  Qualitätsstandards bis zu ethischen Dimensionen in die Diskussion einzubinden.

Der zweite Tag beschäftigte sich zuerst mit „Krebs bei älteren Menschen“. Die Herausforderung durch steigende Inzidenz und Prävalenz ist allen klar, die Wege zum Umgang mit diesen Patienten sind es nicht. Themen von Vorträgen und Diskussion waren die oft fehlenden Daten zur Wirksamkeit der Therapie bei älteren Menschen, Barrieren für den Zugang zur bestmöglichen Therapie und die Rolle des geriatrischen Assessment.
Das zweite, fast tagesaktuelle Thema war die „Frühe Nutzenbewertung von neuen Medikamenten“, mit dem Schwerpunkt Onkologie. Dieses neue politische Instrument aus dem AMNOG wurde aus Perspektive der Politik, Ethik, Klinik und Industrie diskutiert.  Nach den bisherigen Anhörungen beim Gemeinsamen Bundesausschuss ist klarer geworden, wo die Chancen aber auch die Risiken dieses Gesetzes liegen.

Das abschließende Thema der Frühjahrstagung war die Medizinische Onkologie. In Europa ist die Ausgestaltung dieses Fachbereichs sehr unterschiedlich. In der Diskussion, auch mit den Vertretern der gynäkologischen und der urologischen Onkologie, wurden die gemeinsamen Ansätze aber auch die trennenden Aspekte und die Dominanz ökonomischer Zwänge deutlich.

Der Rahmen der DGHO Frühjahrstagung erlaubt, aktuelle Themen, wie zum Beispiel Integrative Onkologie, aufzugreifen und Denkanstöße zu liefern, für die während der gemeinsamen Jahrestagung nicht ausreichend Zeit eingeräumt werden kann. Das positive Feedback der Referenten und der Teilnehmer, deren Zahl abermals gewachsen ist,  bekräftigt das Format dieses fachgesellschaftlichen und berufspolitischen Forums im Herzen des Berliner Regierungsviertels.