Ifosfamid: Lieferengpass, kein Versorgungsengpass - aber vermehrt Nebenwirkungen?

07.07.2026
Im Frühjahr 2026 ist es in Deutschland zu einem Lieferengpass bei Ifosfamid gekommen. Hintergrund waren gravierende Mängel in der führenden Produktionsstätte in Indien. Ifosfamid ist unverzichtbarer Bestandteil der Kombinationstherapie von soliden Tumoren und lymphatischen Neoplasien. Zwischenzeitlich wurden seitens der Fachgesellschaften alternative Therapieprotokolle diskutiert.

Aktuell informiert uns das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), dass derzeit ausreichende Importmengen aus den USA zur Verfügung stehen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, kurzfristig weitere Chargen nach Deutschland zu verbringen. Das Unternehmen Hikma bietet den Krankenhäusern an, bei besonderen Bedarfen unmittelbar Kontakt aufzunehmen, um eine bedarfsgerechte Versorgung zu unterstützen.

Parallel wurde uns von Mitgliedern über ein zuletzt gehäuftes Auftreten von Ifosfamid-induzierten Enzephalopathien berichtet. Im Zusammenhang mit der Anwendung flüssiger Formulierungen wird seit längerem ein möglicherweise erhöhtes Risiko für das Auftreten einer Enzephalopathie im Vergleich zu aus Pulver rekonstituierten Zubereitungen diskutiert. Im Jahr 2020 wurde hierzu ein Risikobewertungsverfahren der EMA eingeleitet. Nach Prüfung der verfügbaren Daten kam der zuständige Ausschuss zu dem Schluss, dass aufgrund der begrenzten Datenlage ein erhöhtes Enzephalopathierisiko bei Ifosfamid, das als Lösung verabreicht wird, weder bestätigt noch ausgeschlossen werden kann.

Als Ursache werden verschiedene Abbauprodukte vermutet. In diesem Zusammenhang ist auf die Einhaltung der empfohlenen Lagerungsbedingungen hinzuweisen; das Konzentrat ist entsprechend der Fachinformation im Kühlschrank zu lagern.

Sollten bei Ihnen in den letzten 6 Monaten vermehrt Enzephalopathien aufgetreten sein, nehmen Sie gerne Kontakt (info@dgho.de) mit uns auf. Bitte teilen Sie uns in dem Fall, soweit möglich, die geschätzte Häufigkeit im Verhältnis zur Gesamtzahl der mit Ifosfamid behandelten Patienten sowie die verwendete Zubereitungsform mit.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung.