ASCO 2019 - Wichtig zu wissen

06.06.2019
Feintuning

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Auch auf dem diesjährigen Kongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago wurde deutlich, dass sich der grundlegende Wandel in der Onkologie mit gezielter Therapie auf der Basis differenzierter Diagnostik fortsetzt. Dabei gibt es mehrere Trends:

Feintuning

Begleitende Biomarkeranalysen großer randomisierter Studien erlauben die bessere Charakterisierung derjenigen Patienten, die auf die neuen Arzneimittel angesprochen – oder nicht angesprochen - haben. Standard-verändernde Studien der letzten Jahre, die mit frühen Daten publiziert wurden, haben inzwischen eine ausreichend lange Nachbeobachtungszeit für finale Analysen.

„oder“

Für viele der neuen, wirksamen Arzneimittel aus den letzten Jahren stehen jetzt schon ein oder mehrere, ähnliche Arzneimittel zur Verfügung. Bei den meisten ist noch unklar, ob sie einen Zusatznutzen durch höhere Wirksamkeit oder geringere Toxizität darstellen.

Sicherung der Versorgung aller Patienten.

Sowohl in den wohlhabenden als auch in Ressourcen-armen Ländern ist die Versorgung mit onkologischen Arzneimitteln eine Herausforderung. Erfreulicherweise haben ASCO und ESMO das Thema der Engpässe bei den älteren, nicht-patentgeschützten Arzneimitteln aufgegriffen.

Im Folgenden sind Beiträge zusammengefasst und kommentiert, die den Standard von Diagnostik und Therapie in den nächsten Jahren verändern können.

Bernhard Wörmann


Antiemese
Bei hoch-emetogener Chemotherapie erhöht die Kombination von Olanzapin mit Standard-Dreifachtherapie die Rate der Patienten effektiver Prophylaxe von Übelkeit und Erbrechen.

Biliäre Tumoren
In der Zweitlinientherapie verlängert mFOLFOX die Gesamtüberlebenszeit gegenüber aktiver Symptomkontrolle bei malignen biliären Tumoren.

Gastroösophageale Karzinome
Bei älteren und gebrechlichen Patienten führt eine Dosisreduktion der Chemotherapie mit Oxaliplatin/Capecitabin nicht zur Verschlechterung der Prognose.

Immuntherapie
Bei HIV-Patienten unter effektiver retroviraler Therapie ist die antineoplastische Therapie mit Pembrolizumab nicht mit einer höheren Nebenwirkungsrate assoziiert.

Kopf-Hals-Tumoren
Pembrolizumab ist der Standardchemotherapie bei Patienten mit hoher PD-L1 Expression (CPS Score >20) überlegen.

Lungenkarzinom
Patienten mit nichtkleinzelligem Lungenkarzinom und nicht-plattenepithelialer Histologie sprechen bei Vorliegen von STK11- und KEAP1-Mutationen nicht auf Pembrolizumab an.

Magenkarzinom
Bei Patienten mit hoher PD-L1 Expression (CPS Score >10) ist die Monotherapie mit dem Immuncheckpoint-Inhibitor Pembrolizumab einer Chemotherapie mit Platinderivaten und Fluoropyrimiden überlegen.

Mammakarzinom
Bei prä-/perimenopausalen Patienten verlängert die Kombination von Ribiociclib mit endokriner Therapie die Gesamtüberlebenszeit.

Multiples Myelom
Bei Patienten mit schwelenden Myelom (smoldering myeloma) und Hochrisikofaktoren verzögert Lenalidomid den Krankheitsprogress.

Neuroendokrine Tumoren
Pazopanib verlängert das progressionsfreie Überleben bei progredienten, neuroendokrinen Tumoren außerhalb des Pankreas.

Pankreaskarzinom
Bei Patienten mit BRCA1/2-Keimbahnmutationen verlängert eine Erhaltungstherapie mit dem PARP-Inhibitor Olaparib nach platinhaltiger Chemotherapie das progressionsfreie Überleben.

Prostatakarzinom Enzalutamid
Beim metastasierten, hormonsensitiven Prostatakarzinom verlängert Enzalutamid die progressionsfreie und die Gesamtüberlebenszeit, aber nicht in Kombination mit Docetaxel.

Prostatakarzinom Apalutamid
Beim metastasierten, hormonsensitiven Prostatakarzinom verlängert Apalutamid die progressionsfreie und die Gesamtüberlebenszeit.

Versorgungsforschung
Der Zugang zu Krankenversicherung durch ‚Obamacare‘ verringert die Ethnien-assoziierten Unterschiede in der Zeit bis zum Beginn einer effektiven Krebstherapie.

Weichgewebssarkome
Olaratumab in Kombination mit Doxorubicin führt nicht zur Verlängerung der progressionsfreien und der Gesamtüberlebenszeit.